
Dein Amiga 3000 oder 4000 hat Zorro III Slots und Platz für eine Grafikkarte, eine Netzwerkkarte und schnellen Massenspeicher. Was ihn meist bremst, ist der Prozessor. Mit einer 68060 CPU und 128 MB schnellem Speicher auf einer Karte wird der Big Box Amiga zu dem Rechner, der er immer sein sollte. Dieser Ratgeber zeigt, was die Turbokarte BFG9060 verändert, welche CPU du wählst und wie du sie Schritt für Schritt einbaust.
Was eine 68060 CPU möglich macht

Die 68060 CPU ist die schnellste der 68k Familie von Motorola, und die BFG9060 bringt sie zusammen mit 128 MB Fast RAM in den A3000(T) und A4000(T). Diese Kombination macht vieles möglich, womit sich ein Big Box Amiga im Originalzustand schwertut:
- AmigaOS 3.2 ohne Wartezeit: Fenster, Schubladen und Requester öffnen sich sofort, auch wenn viele Programme laufen.
- Grafikkarten kommen erst richtig zur Geltung: Eine RTG Workbench in hohen Auflösungen und vielen Farben braucht Rechenleistung, und die 68060 CPU liefert sie.
- Software, die für die 68060 CPU geschrieben ist: Portierungen von Doom und Quake, MP3 Wiedergabe, Bildbearbeitung und 3D Rendering mit der eingebauten FPU der vollwertigen MC68060 CPU.
- Netzwerk mit voller Geschwindigkeit: Der TCP/IP-Stack hängt an der CPU-Leistung, und ein A4000 mit 68060 CPU erreicht mit einer Multiface Netzwerkkarte problemlos über 600 kB/s.
- Platz für alles: 128 MB Fast RAM für grosse Programme, RAM-Disks und WHDLoad, das Spiele auf die Festplatte installiert.
Wie schnell ist sie?


Diese Werte stammen von SysInfo auf meiner Testmaschine, einem Amiga 4000 mit BFG9060 und einer MC68060RC50 CPU der Revision 6:
| SysInfo | BFG9060 mit 50 MHz |
|---|---|
| Dhrystones | 37624 |
| MIPS | 39 |
| MFlops | 28 |
| Verglichen mit einem A3000 (68030, 25 MHz) | ca. 8-mal schneller |
| Verglichen mit einem A4000 (68040, 25 MHz) | ca. 2-mal schneller |
| Verglichen mit einem A600 (68000, 7 MHz) | ca. 71-mal schneller |
In einem A4000 oder A4000T kann eine MC68060RC50 CPU der Revision 6 in den meisten Fällen im Turbomodus mit 75 MHz oder sogar 100 MHz laufen. Bei 100 MHz zeigt SysInfo rund das 140-Fache der Geschwindigkeit eines Amiga 500 im Originalzustand. Der Turbomodus ist eine Zugabe, kein Versprechen: Mehr dazu im Abschnitt zum Übertakten weiter unten.
Die BFG9060 im Überblick
Die BFG9060 wurde von Matthias Heinrichs entwickelt. Ich produziere sie fabrikneu unter seiner offiziellen Lizenz und zahle für jede Karte eine Lizenzgebühr. Sie bietet:
- CPU nach Wahl: MC68060RC50 Revision 6 (FPU und MMU), MC68LC060RC50 Revision 4 (nur MMU) oder MC68040RC25 (FPU und MMU)
- 128 MB sehr schnelles Fast RAM auf der Karte, das DMA und move16-Bursts unterstützt
- ein Boot-ROM, das mit jeder 68040 und 68060 CPU umgehen kann, mit oder ohne FPU, ohne spezielles Kickstart-ROM: Plug and Play
- Übertakten per Jumper auf 75 MHz oder 100 MHz (nur MC68060RC50 Revision 6, nur im A4000 und A4000T)
- Optionen: Spannungs- und Temperaturmonitor LTC2990, Diskette mit den 68060 Libraries, flaches (Low-Profile) oder hohes (High-Profile) Kühlkörper/Lüftermodul
- zwei Jahre Garantie bei Defekten (keine Garantie für übertaktete CPUs)
Welche CPU passt?
- MC68060RC50 Revision 6 (Maske 71E41J): die vollwertige 68060 CPU mit MMU und FPU, die letzte Revision, die Motorola produziert hat, und die richtige Wahl für den Turbomodus. Software lässt sich ohne Nachdenken installieren, und Programme, die eine FPU brauchen, laufen. Meine Empfehlung für die meisten Besitzer. Auch einzeln erhältlich als MC68060RC50 CPU, Revision 6.
- MC68LC060RC50 Revision 4 (Maske 75G59Y): MMU, keine FPU, der günstige Weg zu 060 Geschwindigkeit. Der allergrösste Teil der Amiga Software braucht keine FPU. Bietet ein Installer keine 060 Option ohne FPU an, wähle die 020/030-Version: Das Programm läuft dann mit voller 060 Geschwindigkeit. Einzeln erhältlich: die MC68LC060RC50 CPU.
- MC68040RC25: FPU und MMU mit 25 MHz, für alle, die ein 68040 System mit 128 MB Fast RAM möchten.
Bevor du beginnst
Die BFG9060 braucht mindestens Kickstart 3.1; empfohlen ist Kickstart 3.2 oder neuer. Manche frühen Desktop-Modelle des Amiga 3000 haben ein Dual Kickstart-ROM 1.4/2.0, das mit der BFG9060 nicht funktioniert; diese Rechner brauchen zuerst richtige Kickstart ROMs.
Beim Amiga 3000 kann der SCSI-Controller auf dem Mainboard mit einer 68040- oder 68060 Karte hängen bleiben: Die SCSI-LED leuchtet weiter, während sich die Maus noch bewegt. Die Ursache ist der DMAC-Chip des A3000, und die dauerhafte Lösung ist ein neuerer DMAC, wie ihn das ReSDMAC Projekt bietet. Der andere Weg: Betreibe deine Laufwerke an einem separaten Controller (siehe unten).
Die BFG9060 Schritt für Schritt einbauen
- Erde dich, bevor du die Karte berührst, zum Beispiel an einem Heizkörper. Statische Entladung kann CPU und Karte beschädigen.
- Installiere zuerst die CPU-Libraries, solange der Amiga noch mit der alten CPU läuft. Kopiere die 68040- oder 68060 Libraries nach LIBS:. Mit AmigaOS 3.2 kannst du die MMULib Libraries von den Installationsdisketten verwenden; das MMULib Paket gibt es ausserdem kostenlos auf aminet.net und auf der optionalen Diskette. Verwende nicht die 680×0 Libraries von Phase 5 oder Apollo: Sie sind für deren Karten geschrieben.
- Füge die MMU-Configuration-Datei hinzu. Wenn du MMULib verwendest, kopiere die optimierte MMU-Configuration-Datei für die BFG9060 nach ENVARC:. Du findest sie auf der Diskette, auf der letzten Seite des Begleitbriefs zur Karte und im BFG9060 Thread auf a1k.org.
- Stell die Taktquelle auf der BFG9060 mit JP6 ein: den Takt des Mainboards (INT) oder den Oszillator auf der BFG9060 (EXT). Mit EXT kannst du die Einstellung +5 ns ausprobieren, falls Stabilitätsprobleme auftreten.
- Stell die Mainboard-Jumper passend zu JP6 ein (Tabelle unten).
- Stell die CPU-Frequenz mit JP1 ein. Beginne mit der Grundeinstellung: 50 MHz für eine 68060 CPU, 25 MHz für eine 68040 CPU.
- Setz die Karte in den CPU-Slot ein, nachdem du eine allfällige alte Turbokarte entfernt hast. Drück sie vorsichtig, aber fest über die ganze Länge des Steckverbinders hinein und prüfe, ob sie vollständig im Steckverbinder des Mainboards sitzt.
- Starte den Amiga. Kurze Farbbalken beim Einschalten zeigen, dass das Boot-ROM der Karte läuft.
Konfiguration

Das vollständige Handbuch, geschrieben von Torsten Kurbad, findest du im BFG9060 README auf GitLab.
Kühlung, Turbomodus und Überwachung

Bei 50 MHz ist eine MC68060 CPU der Revision 6 unproblematisch. Die älteren Revisionen 1 und 5 werden deutlich heisser, für sie empfiehlt sich eine aktive Kühlung. Die Kühlkörper/Lüftermodule gibt es in zwei Höhen: das hohe Modul (High-Profile) für den A3000T und A4000(T), das flache Modul (Low-Profile) für den A3000 Desktop. Das rote Kabel kommt an 5 V, das schwarze an Masse. Wenn du ein Modul selbst montierst, drück es nur an den Ecken auf die CPU, nie in der Mitte über der Lüfterachse.
Turbomodus: Mit JP1 kann eine MC68060RC50 CPU der Revision 6 in den meisten Fällen mit 75 MHz oder sogar 100 MHz laufen, nur im A4000 und A4000T. Ein stabiles System mit übertakteter CPU kann ich nicht garantieren, übertaktete CPUs sind von der Garantie ausgenommen, und bei 100 MHz ist Kühlung Pflicht. Für den Alltag empfehle ich die nominellen 50 MHz; der Turbomodus ist für alle da, die gern experimentieren.
Mit dem optionalen LTC2990 Monitor misst die Karte die CPU-Temperatur und ihre Versorgungsspannungen. Verbinde den Anschluss JP2 mit einem I2C Controller wie dem CPLDICY Zorro I2C Controller und lies die Werte mit simplesensors oder Sensei aus. Setz beide JP3 Jumper nur, wenn eine 68060 CPU und der LTC2990 bestückt sind.
Das System abrunden: Massenspeicher und Netzwerk
Eine 68060 CPU verdient schnellen Massenspeicher und eine Netzwerkverbindung:
- Zorro III SCSI mit DMA: Die ReA4091 erreicht in der Praxis 6-8 MB/s, rund 3- bis 4-mal so schnell wie Zorro II IDE-Karten. Sie braucht einen Super Buster-Chip der Version 11. Kombiniere sie mit einem BlueSCSI v2 statt einer alten mechanischen SCSI-Festplatte.
- SSD, Ethernet und Clockport in einem Slot: die Multiface, beschrieben in meinem Multiface Ratgeber.
- Besitzer einer Phase 5 Fastlane Z3: Die Fastlane braucht ROM-Version 8 oder neuer, um mit einer 68060 CPU zu funktionieren. Das Fastlane Z3 ROM-Update 8.5 ist die letzte Version.
- Internes IDE im A4000: Mit der Amiga 4000 IDE-Erweiterung nutzt der A4000 Desktop beide IDE-Kanäle, für bis zu vier Geräte.
Meine Empfehlungen
- Amiga 4000(T): die BFG9060 mit der MC68060RC50 Revision 6 und dem hohen Kühlkörper/Lüftermodul. Betreibe sie mit 50 MHz und probier den Turbomodus aus, wenn du möchtest.
- Amiga 3000(T): dieselbe Karte mit der MC68060RC50 Revision 6, im A3000 Desktop mit dem flachen Modul. Prüfe zuerst das Kickstart-ROM und plane einen neueren DMAC oder einen separaten Laufwerks-Controller ein.
- 68060 Geschwindigkeit zu einem etwas kleineren Budget: die BFG9060 mit der MC68LC060RC50.
- Amiga 1200: mehr dazu in meinem Ratgeber Amiga 1200 mit 68060 CPU aufrüsten.
Bereit für 060 Geschwindigkeit? Auf jede BFG9060 gibt es zwei Jahre Garantie. Wähle CPU und Optionen auf der Produktseite der BFG9060. Nicht sicher, was zu deinem Rechner passt? Kontaktiere mich und beschreib mir deinen Rechner.




















